3 Juli 2007 - 22:11Verhalten bei Feuerwerksunfällen
Ich danke Tom Engelhardt für die Bereitstellung dieses Artikels für das Verhalten bei Feuerwerksunfällen.
Leider muss auch dieses Thema berücksichtigt werden, aber Feuerwerk kann sehr gefährlich sein.
Aber damit man sowas garnicht erst braucht: Safety First!
Erste Hilfe bei Unfällen mit Feuerwerkskörpern
von Dr. med. Tom Engelhardt
Textversion:
Einleitung
Jeder von uns freut sich auf Silvester und das anstehende Feuerwerk. Viele Stunden
der Planung und der Vorbereitung kulminieren in einer Viertelstunde voller Schall,
Licht und Rauch.
Leider kommt es in der „Nacht der Nächte“ durch unsachgemäße oder unvorsichtige
Handhabung oder durch defekte Feuerwerkskörper immer wieder zu teilweise
schweren Unfällen.
Dieser kleine Leitfaden soll Ihnen/Euch eine kleine Hilfe sein, was nach einem
solchen Unfall zu tun ist. Das hier enthaltene Mindmap kann ausgedruckt mit auf den
Abbrandplatz genommen werden und so immer griffbereit sein.
Ablauf der Ersthilfe
1. Verletzte Person aus dem Gefahrenbereich bergen. Dabei gilt Eigenschutz vor
Fremdpersonenschutz.
2. Sicherung der Vitalfunktionen (Atmung, Puls), ggf. stabile Seitenlage (bei
bewusstlosen aber atmenden Personen) bzw. Beginn der Reanimation bei
Atem-/Herzstillstand.
3. Alarmierung Rettungswagen/Notarzt (Tel. 112 bundesweit über Fest- und
Mobilnetz). Idealerweise geschehen Punkt 2 und 3 gleichzeitig. Notfalls
Passanten/Zuschauer in die Aktion mit einbeziehen!! Folgendes Schema bei
Alarmierung einhalten:
- Wer ruft an?
- Was ist passiert?
- Wer ist verletzt/welche Art der Verletzung liegt vor/war bzw. ist der
Verunfallte reanimationspflichtig (d.h. bewusstlos mit Atem- bzw.
Herzstillstand) ?
- Wo liegt der Unfallort?
Ggf. bittet die Rettungsleitstelle, am Telefon zu bleiben, um evtl.
auftretende Rückfragen klären zu können.
4. Einen Helfer am Ort als Einweiser für die Rettungskräfte abstellen.
5. Bei der verletzten Person bleiben, beruhigen. Bei Schockzeichen (Blässe,
Kaltschweißigkeit, Desorientierung, eingetrübte Bewusstseinslage)
Einnehmen der Schocklage (Beine hochlagern, warm halten).
VERLETZUNGSARTEN
Verbrennung: Die mit am häufigsten auftretende Verletzung am Silvesterabend.
Man unterscheidet 4 Grade:
- Verbrennung 1. Grades: Rötung, Schmerz (oberste Hautschicht betroffen)
- Verbrennung 2. Grades: Rötung, Blasenbildung, Schmerz (Ober- und
Lederhaut betroffen). Kann mit Narbenbildung einhergehen.
- Verbrennung 3. Grades: Rötung, weißlich-graue Verfärbung, Schmerz (Ober-,
Leder- und Unterhaut betroffen), z.T. Verkohlung.
- Verbrennung 4. Grades: Verkohlung bis durchs Unterhautfettgewebe und
Muskeln. Zumeist kein Schmerz (Nerven sind mit verbrannt).
In der Regel handelt es sich Silvester eher um punktuell begrenzte Verbrennung
durch Raketen, Fontänen, Vulkane o.ä., oder abfallende glühende Schlackenteile
aus Bombetten etc.
Vorgehen: Betroffene Person löschen. Oft rennen brennende Personen in Panik
davon: einfangen, zu Boden reißen und ablöschen. Löschmittel der Wahl: Wasser, im
Ernstfall geht jede nicht brennbare Flüssigkeit. Beruhigen. Kleidungsreste aus
Brandwunden nicht entfernen (führt meist zu noch tieferen Wunden). Kühlen der
Wunde für mindestens 15 Minuten mit fließendem Wasser. Abdecken der
Verbrennung mit sterilem Verband für Verbrennungen (lose auflegen und fixieren).
Anschließend den Verletzten in Mylardecke warm halten. Kein Aufbringen von
Pudern, Salben o.ä. auf offene Brandwunden, Blasen nicht aufstechen!
Abb. 1 Verbrennung 2. und 3. Grades durch
Schwarzpulverflamme eines 55mm Bombenrohres
Amputations-/Splitterverletzung: In der Regel können durch in Deutschland
erhältliches Feuerwerk der Klasse II keine Amputationsunfälle passieren. Dies ist
eher bei Verwendung von professionellem Feuerwerk der Klasse IV der Fall, oder bei
Verwendung von illegal importierten Feuerwerkskörpern mit z.T. erheblicher
Detonationswirkung (sog. Polenböller). Als Besonderheit können dabei
Fremdmaterialien wie Holz- und Metallspäne, Pulverrückstände oder Erde in die
Wunde oder in anliegende Bereiche eingesprengt werden. Aufgrund von massiver
Zerreißung größerer Blutgefäße kann es zu großen, z.T. lebensgefährlichen
Blutverlusten und dessen Konsequenzen (Schock) kommen.
Bei Verletzung der Augen kommen zusätzlich noch ein extremes Schmerzerleben
hinzu, welches bei Verlust von Finger oder ganzen Extremitäten durch den Schock in
den ersten 30 Minuten in der Regel nicht bewusst erlebt wird.
Vorgehen bei Amputations-/Splitterverletzungen:
- Beruhigen des Verunfallten
- Hochlagerung der betroffen Extremität
- Druckverband. In einzelnen, schweren Fällen (z.B. spritzende Blutung aus den
großen Arterien in der Leiste oder am Oberarm) kann zusätzlich manuell
abgedrückt werden. Keinesfalls abbinden!! Der hier entstehende Druck ist
meist zu hoch und gefährdet das Wiederannähen des Amputats (Amputat=
abgerissene Finger oder ganze Extremitäten).
- Amputat suchen, in einen sauberen Plastikbeutel geben, zuknoten, und
diesen in einem zweiten Beutel mit Eis den Rettungskräften mitgeben.
- Amputat nicht auffindbar? Zuerst Patienten in die Klinik verbringen, dann in
Ruhe das Amputat weitersuchen. Es gilt hier: Life before limb (das Leben ist
ggf. auf Kosten des Amputats immer zu schützen).
- Bei Ersthelferuntersuchung auf Schusskanäle und Eintrittspforten achten und
Rettungskräfte darauf hinweisen. Bleiben diese unentdeckt, führen sie zumeist
zu schweren Entzündungen, Sepsis (Blutvergiftung) und Spätkomplikationen.
- Steckende Splitter oder Fremdkörper im Körper des Patienten belassen. Bei
Entfernung können eventuell starke, auf dem Feld nicht zu kontrollierende
Blutungen entstehen, wenn ein durch den Fremdkörper komprimiertes Gefäß
entlastet wird!
- Augenverletzungen: Aus einem sterilen Tuch eine „Wurst“ rollen, aus dieser
einen Kreis formen, auf das verletzte Auge legen, so dass der Augapfel in der
Mitte liegt, und mit Pflaster fixieren Auge dann mit Verbandstuch abdecken.
Patient schnellstmöglich in die Klink verbringen lassen. Vorsicht auch hier:
nicht auf dem Platz versuchen, Fremdkörper zu entfernen. Bei leichten
Hornhautirritationen durch Russpartikel o.ä. Spülen mit lauwarmen Wasser.
Sollte das Fremdkörpergefühl weiter bestehen, Augenarzt aufsuchen.
Abb. 2 Großflächige Zerreißung der linken Hand durch
unsachgemäße Verwendung eines großkalibrigen Knallkörpers
FAZIT:
Die hier aufgeführten Verletzungen sind die am häufigsten auftretenden
Feuerwerksverletzungen. Grundsätzlich sollten auf jedem Abbrandplatz Materialien
zur ersten Hilfe bereitgehalten werden, des weiteren Feuerlöschmittel und
persönliche Sicherheitsausrüstung. An Silvester sollte auf Baumwollkleidung
geachtet werden, und natürlich: KEINEN ALKOHOL vor oder während des
Feuerwerks! Was für den Profi gilt, sollte auch für jeden „Hobby-Pyro“ an Silvester
verbindlich sein.
Ich hoffe, dieser Leitfaden ist eine kleine Hilfe. Besser noch wäre es, er müsste nie
benutzt werden!
In diesem Sinne, ein frohes neues Jahr und allzeit eine stetig brennende
Zündflamme!
Tom Engelhardt
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